Tim Philippi

Wirkungsanalyse von Prämiensubventionen für Obst- und Weinbauern auf dem deutschen Frostversicherungsmarkt

Durch den fortschreitenden Klimawandel gewinnen Wetterrisiken und deren Absicherung zunehmend an Bedeutung. Dies ist vor allem für landwirtschaftliche Betriebe eine große Herausforderung, deren Ernteerträge oft stark von Wetterbedingungen abhängen. Um den Umgang mit Wetterrisiken zu erleichtern und das Risikomanagement von Landwirten zu verbessern, können Versicherungsangebote einen wertvollen Beitrag leisten. Aus diesem Grund brachten landwirtschaftliche Versicherer, insbesondere in Europa, in den letzten Jahren verschiedene neue Produkte auf den Markt.

Das Projekt analysiert die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Versicherungsprodukten anhand eines solchen neuartigen Versicherungsprodukts: Versicherung gegen Spätfrostschäden im Obst- und Weinbau. Spätfrost bezeichnet ein Absinken von Temperaturen unter den Gefrierpunkt nachdem der Frühling bereits begonnen hat und sich Pflanzen in einem Stadium kurz vor oder kurz nach Austrieb ihrer Knospen befinden. Kommt es zu Frostereignissen nachdem der Knospenaustrieb eingesetzt hat, erfrieren junge Triebe, wodurch das Ernteertragspotential der Pflanzen reduziert wird.

Im Jahr 2017 führte ein solches Spätfrostereignis in Europa zu einem starken Ernterückgang und geschätzten Schäden von ca. 3,3 Milliarden € (Faust und Herbold, 2018). Aufgrund der damals niedrigen Versicherungsdichte entschieden einige deutsche Bundesländer, Direkthilfen zu gewährleisten, um die Existenzen der betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe zu gewährleisten. Das Land Baden-Württemberg führte Ende 2019 eine Prämiensubventionierung in Höhe von 50% auf Spätfrostversicherungsverträge ein. Ziel der Subvention war die Erhöhung der Versicherungsnachfrage.

Mithilfe von Daten der Vereinigten Hagel VVaG, dem größten deutschen Agrarversicherer, und Daten des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg soll das Projekt die Wirkung dieser Subvention umfassend analysieren. Die zentralen Forschungsfragen des Projekts sind: Welche Auswirkungen hatte die Einführung der Prämiensubventionierung auf die allgemeine Versicherungsnachfrage der Landwirte? Wie unterscheidet sich die Nachfragereaktion von Landwirten mit unterschiedlichen Charakteristiken (z.B. zwischen Landwirten, die in 2017 von den Direkthilfen profitierten und Landwirten, die keine Direkthilfen erhielten)?

Die Beantwortung dieser Fragen soll zu einem besseren Verständnis landwirtschaftlicher Versicherungsnachfrage führen, welches auch bei der Absicherung weiterer durch den Klimawandel beeinflussten Risiken (z.B. Dürre) genutzt werden kann.

Referenzen:
FAUST, E. & HERBOLD, J. 2018. Spring frost losses and climate change - Not a contradiction in terms. Munich RE [Online, Stand 26.02.2021].

 

Projektförderung:

Deutscher Verein für Versicherungswissenschaft e.V.

Förderungszeitraum:01.01.2022 – 31.12.2022
VersicherungsdatenVereinigte Hagel VVaG